#41 Für Sie empfohlen

Lieber Horst,

heute muss ich mal einen schlimmen Verdacht äußern: Ich glaube, Amazon liest mit. 

Du kennst das sicher, dass immer wieder mal ungefragt Werbung aufploppt, wenn man im Internet unterwegs ist. 
Normalerweise bin ich wirklich sehr, sehr gut darin, diese zu ignorieren. Heute früh war ich wohl noch ein bißchen verschlafen und so blieb mein müder Blick dann doch aus Versehen hängen. 
Amazon empfiehlt mir demnach aktuell folgende Bücher:

  1. „Wie man Selbstdisziplin aufbaut, um Sport zu treiben“
  2. „Pubertät – wenn Erziehen nicht mehr geht“
  3. „Ratgeber narzisstische Persönlichkeitsstörung“

Zack, da isses. Mein Leben in drei Buchtiteln. In den nächsten Texten muss ich vielleicht mal unauffällig ein paar Schlagworte einbauen, die mein Profil wieder glattbügeln. Bikinifigur, Familienglück, Therapieerfolg. Ha! Nimm das, Amazon. 

Nach den letzten Texten ist wohl auch damit zu rechnen, dass wir Hochzeitsratgeber oder sowas empfohlen bekommen. Ich behalte das mal im Auge. 
Das Kleid hängt übrigens immer noch an der Bushaltestelle und weht ein wenig melancholisch in der Frühlingsbrise vor sich hin. Ich schaue nachher mal nach der Größe. Und Du kennst wirklich Frauen, die Größe S tragen? Unheimlich… 

Ich neige neuerdings dazu, Sachen zu tragen, die mir etwas zu groß sind, das ist total gut für die Psyche. Ich erinnere mich, dass Georgette Dee auf die Frage, warum sie immer mit dieser extrem langen Zigarettenspitze raucht, sinngemäß mal geantwortet hat: weil meine Hände dann zierlicher aussehen

Jetzt hab ich also überlegt, was man mit diesem Ansatz noch machen kann. Im Altbau wohne ich ja schon, die hohen Decken stehen mir sehr gut. Was meinst Du, ob es vorteilhaft wäre, von der Gitarre zum Bass zu wechseln? Für weitere Ideen bin ich offen. 

So, nun gehe ich mal in die Küche, das Abendessen vorbereiten. 
Auch ich vermisse im Corona-Alltag ja Dinge, von denen ich das nicht erwartet hätte. Fußball zum Beispiel! Kochen bei der Bundesligakonferenz vom Inforadio, ein festes Ritual. 
Aber die Berichte, die sie stattdessen bringen, sind mitunter auch ganz interessant. Auf der langen Liste der „Dinge, die ich nach Corona unbedingt mal machen will“ steht jetzt zum Beispiel auch „In Bremen mal einen Ahlenfelder bestellen und gucken, was passiert“. 
Ahlenfelder ist dieser Schiedsrichter, der bei einer Partie Hannover – Bremen so besoffen war, dass er schon nach 31 Minuten zur Halbzeit gepfiffen hat. Es heißt, man kriege heute noch ein Pils und einen Malteser, wenn man in Bremen einen Ahlenfelder ordert. 

Im Schrank liegt übrigens auch noch eine Tüte Chips der Geschmacksrichtung Stadionwurst. Hatten die Jungs mir vom Einkaufen mitgebracht, zum Trost. Womit wir jetzt nicht unbedingt bei der Bikinifigur, aber unbedingt beim Familienglück wären.

Fröhliche Grüße aus der Westkurve,

Susanne  

PS: Mein Ohrwurm des heutigen Tages ist The Lion sleeps tonight . 
Es gibt eine aktuelle Version von Roy Zimmerman:
In the White House, the mighty White House, the Liar tweets tonight …

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