#29 Alfons

Lieber Horst,

Schrebern ist ein schönes Verb, das werde ich sofort in meinen Wortschatz aufnehmen, danke. Bei uns hat sich auch gerade ein neues Wort etabliert, das heißt Restern und meint das Zubereiten einer Mahlzeit aus den Resten von gestern.

Wenn ich mal nicht am Herd stehe, pflege ich den Austausch mit Freunden auf den diversen Kanälen, die einem dafür während der Kontaktsperre zur Verfügung stehen. Meine Freundin Andrea schrieb mir gestern Abend per Whatsapp:
„Jetzt sitze ich mit einem Glas Wein im Garten, während endlich die Kinder nicht mehr schreien. Diese Reduzierung der Betreuung treibt mich noch in den Wahnsinn. 
Was sollen nur die Leute sagen, die selbst Eltern sind.“ 

Alle Welt lauscht im Moment mit gespitzten Ohren, wann die Kitas wieder aufmachen und der Schulbetrieb wieder aufgenommen wird. Mein Sohn auch, in erster Linie, weil er sich aufrichtig darauf freut, endlich seine Freunde wiederzusehen. Das müsste jetzt nicht unbedingt in der Schule stattfinden, wenn es nach ihm geht, aber nun, das Leben ist kein Streichelzoo. 
Ja, auch ich freue mich darauf, wenn es langsam wieder losgeht. Das mit dem Homeschooling ist nichts für uns. Du solltest mal dabei sein, Horst, wenn das Kind und ich zusammen Spanisch lernen. Das ist wie eine sehr eigene Version von Der Blinde und die Taube. Nur ohne Happy End. 

Nun mögen weise Menschen nach bestem Wissen und Gewissen darüber entscheiden, wann der richtige Zeitpunkt dafür ist. 
Die Leopoldina, meinetwegen. Ich stolpere immer wieder kurz, wenn ich diesen Namen im Radio höre, ich finde, er klingt ein bißchen nach einer Hunderasse, also Berhardiner, Leopoldiner, … 
Der Hund der Freundin meines Sohnes ist ja eine Kreuzung aus Hovawart und Dackel. Ja, das kann man sich ruhig mal einen Moment vor dem inneren Auge zergehen lassen. Die Natur ist halt immer wieder für ein Abenteuer gut und wo ein Wille ist, ist auch ein Welpe. 
Als ich Alfi das erste Mal sah, war ich total beeindruckt von seinen goldbraunen Augen, die mich aufmerksam musterten, und seiner überhaupt sehr royalen Erscheinung. „Oha!“ dachte ich, „wenn der erstmal aufsteht!“  Aber er stand schon. 

Alfi heißt eigentlich Alfons. Er wird von seinen Menschen auch meist Alfons gerufen und hört wirklich sehr gut. Besonders rührend finde ich, dass er auch angelaufen kommt, wenn etwas so ähnlich klingt, wenn jemand in einem Gespräch I Phone sagt, zum Beispiel. 

Ich glaube, wir werden das umdrehen, und Telefone aller Art künftig Alfons nennen. Das finde ich nur gerecht. Und bei uns haben überhaupt viele Dinge einen eigenen Namen, wenn ich so drüber nachdenke.  
Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.
Ich gehe jetzt erstmal auf den Balkon, den Frieder gießen und ein bißchen Larry ernten fürs Restern. Es gibt Zipfelmützen mit Gehirngemüse und Wüstenmöhre. Lecker!

Viele Grüße aus der Krisenküche,

Susanne

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