#27 Vom Backen und Hoffen

Lieber Horst,

Danke, heute ist ja auch schon wieder viel bessere Stimmung in meinem persönlichen Wartezimmer. Und ich will mich auch nicht so anstellen, andere sind schon von Schlimmerem auferstanden.
Apropos Ostern. In einem Lied habe ich neulich die bemerkenswerte Zeile aufgeschnappt „Gott sei Dank ist Jesus nicht gevierteilt worden, sonst hätten wir heute in jeder Kirche ein Mobilé“. Es gibt Bilder, die kriegt man einfach nicht mehr aus dem Kopf, so sehr man sich auch bemüht. Und ich bemühe mich wirklich redlich.

Wann immer ich mich von etwas ablenken will, fange ich ja an zu kochen und zu backen. Das bringt mich irgendwie runter, es ist etwas klischeehaft, aber was soll ich machen. Heute Nacht zum Beispiel habe ich Hefezöpfe gebacken. Hefezöpfe, die aussehen wie Knautschhundewelpen, um genau zu sein, und nun liegen sie da und ich kriege ich es nicht übers Herz, sie anzuschneiden und … Na gut. Möglicherweise neige ich momentan wirklich ein bißchen zum Drama.

Ich habe mal von der Theorie gehört, dass Kochen und Backen total gut sei, wenn man abnehmen will. Weil man von all den köstlichen Gerüchen dann quasi schon satt sei und im Endeffekt viel weniger essen würde. Ich habe es ausprobiert und kann sagen – nein.
Aber wenigstens gehe ich regelmäßig spazieren.  Alle Welt geht ja jetzt regelmäßig spazieren.  Auch Leute, die noch nie in ihrem Leben spaziert sind, gehen jetzt spazieren. Regelmäßig. 
Und ich spaziere mit. Was mich angeht, ist das ganz klar die direkte Reaktion auf die Ausgangsbeschränkungen. Das hat schon immer funktioniert: Sobald ich etwas nicht mehr darf, will ich das, ganz unbedingt. Ich wünschte, mir würde mal jemand das Salatessen verbieten.

Aber eigentlich wollte ich noch etwas zu Deiner Keller- und Kistengeschichte erzählen. Oder, ich fang mal anders an: Kennst Du das, wenn man einen Satz schon laut gesagt hast, bevor man mit Nachdenken fertig war? Mir ist das neulich gerade wieder passiert. Ich hörte mich beim Abendessen aus heiterem Himmel sagen:
„Jetzt hätten wir ja mal richtig Zeit, den Keller aufzuräumen!“ 

Alle schwiegen. Ich auch, ich war schließlich genauso entsetzt, aber so einen Satz kann man ja nicht einfach wieder zurücknehmen. Daran muss ich wirklich arbeiten.
Die Polizei hat übrigens am gleichen Abend an allen Haustüren unserer Straße Aushänge angebracht, auf denen darauf hingewiesen wird, dass in unserer Gegend derzeit sehr viele Kellereinbrüche stattfinden. Nicht dass jemand von uns wagen würde, es auszusprechen – aber ich glaube, unser aller Hoffnung ruht nun auf den Einbrechern. 

Frohe Ostern wünscht Dir

Susanne 

P.S.: Am gleichen Tag kam auch diese charismatische Wurfsendung an, bei Euch auch? Ich dachte, Möbel Höffner hätte geschrieben, aber dann war es doch der Bürgermeister. 

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