#31 Wie ich mal nicht verschickt wurde

Lieber Horst,

hach ja, Urlaub, ein schönes Thema. Und so ein theoretisches, derzeit… 
Wie gerne würde ich jetzt am Lecko Mio in der Sonne liegen und ein Dolomiti essen, die Grillen zirpen, aus dem Radio dudelt Santa Maria. Die Sonne brennt und die scharfen Ränder der abgezogenen Fantadosen-Verschlüsse funkeln im Sand, während ich in der Tasche nach der Sonnencreme (LSF 2) krame, aber leider sind die Erfrischungsstäbchen wieder ausgelaufen…   

Neulich hörte ich jemanden sagen, dass die Achtziger jetzt vierzig Jahre her sind. Ich persönlich halte das für ein gemeines Gerücht. Ich meine, das macht doch gar keinen Sinn, vor allem, weil ja noch Siebziger waren, als ich in der Grundschule war.

Unterhielten wir uns damals über die Ferien, waren immer einige Kinder dabei, die verschickt wurden. Das war damals groß in Mode in West-Berlin. 
Als meine Eltern mal wieder einen Urlaub auf Balkonien planten (Balkonien, die kleine langweilige Schwester des Lecko Mio), fragten sie mich, ob ich nicht auch einmal verschickt werden wolle in den großen Ferien. Ich lehnte sofort und vehement ab. Ich fand die Vorstellung, in so einen Pappkarton zu steigen und einfach irgendwohin verschickt zu werden, einfach viel zu gruselig. Und von meiner Tante Biggi in Premnitz wußte ich schließlich, dass Pakete von uns gerne auch mal ganz verschwanden. Und nie wieder auftauchten. Und dann half einem auch Aktenzeichen XY nicht mehr.
Allein die Tatsache, dass meine Eltern überhaupt in Erwägung zogen, mich zu verschicken, fand ich damals zutiefst verstörend. Immerhin war mein Nein so vehement, dass sie nie wieder fragten.

O Mann, und jetzt werde ich wieder den ganzen Tag Santa Maria vor mich hinsingen, ich merke es schon, in meinem Kopf summt die ganze Zeit so ein leises Umnana-umnana-umnana-hua… Ich bin wirklich extrem anfällig für Ohrwürmer, das ist manchmal ziemlich anstrengend. 

Gestern war es I would do anything for love von Meat Loaf. Das kam mir in den Sinn, als ich im Bad vor dem Spiegel stand und mich schminkte, und ging dann den ganzen Tag nicht mehr weg. 
Erinnerst Du Dich an das Video? Das war so eine Die-Schöne-und-das-Biest-Inszenierung. Am Ende küsst die schöne Frau das Biest und Licht fällt ein und die Kamera zoomt ran und dann ist es – Meat Loaf. 

Heute ein wenig retro grüßen Dich

Susanne & der Braune Bär

Eine Antwort auf „#31 Wie ich mal nicht verschickt wurde“

  1. Hallo an die Siebziger 🙋🏻‍♀️😊

    Ich bin auch mal verschickt worden. Mit 5 oder 6 für 6 Wochen in die Schweiz. Zuerst hatte ich fett Heimweh, dann hab ich meine Gasteltern Mama und Papa genannt, und als ich nach Hause kam, sprach ich Schweizerdeutsch. Meine ältere Cousine, hat mich deswegen so gehänselt, dass ich mir das ganz schnell wieder abgewöhnt habe. Doofe Kuh. Naja, sie ist trotzdem meine Lieblingscousine 😊

    Thanks for the memory 🙋🏻‍♀️👍😉

    Gruß, Bettina

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