#34 Abtanzball

Liebe Susanne,

ich würde es wirklich niemals wagen, Deine Träume zu deuten oder gar zu kritisieren. Doch wenn Du Dich schon in den Jurassic Park träumst. Wo es ja nun wahrlich viel Spektakuläres und Aufregendes zu erleben gäbe. Warum verbringst Du dort dann Deine Zeit in der Bar? 

Klar, es ist Dein Traum. Aber wäre das denn nicht mal der Moment, wo man mit seinem Unterbewusstsein auch mal Tacheles reden sollte und ihm ganz klar sagen, da hätte man sich nun echt mal mehr von ihm erhofft? Ich hoffe, ich habe beim barkeepen nicht auch noch gesungen. Womöglich „Pokerface“.

Auch interessant finde ich hingegen den Hinweis der Psychologenvereinigung. Seit wann ist es denn nicht mehr normal, wenn einem Blumen und Gegenstände antworten? Ich habe einige der wichtigsten Ratschläge meines Lebens von meinen Einrichtungsgegenständen bekommen. 

Einen Tag und zwei Nächte habe ich mit meiner Jugendzimmerschreibtischlampe diskutiert, bis sie mich endlich überredet hatte, zum studieren nach Berlin zu gehen. 

Diese Lampe hatte mir übrigens Jahre zuvor Ingo geschenkt, der keinen Hund haben durfte und deshalb einem Ferkel das Stöckchen holen beigebracht hatte. Eigentlich hatte die aber seinem Bruder Jens gehört, der später fast seinen Hauptschulabschluss nicht bekommen hätte, weil er einem Lehrer mit der nackten Faust ins Gesicht geschlagen hat. Was aber ein Missverständnis war, da er sich einfach verhört hat, wie Jens später immer wieder beteuerte. Was er eigentlich gehört haben wollte, hat er nie verraten. 

Es kann aber sein, daß es ihm die Schultafel geraten hat. Das vermutete zumindest Sonja, die auch mehrfach das Gefühl hatte, diese Tafel würde zu ihr sprechen. Sonja hatte ich kennengelernt, weil ihr Tanzschulpartner unmittelbar vor dem Abtanzball erkrankt war und meine Partnerin Katrin sich auch kurz vor diesem Abschlussabend in Detlef verliebt hatte, wodurch nun Sonja und ich zum Paar wurden.

 Allerdings haben sich dann Detlef und Katrin noch am Abend des Balles wieder zerstritten und getrennt, weshalb am Ende Detlef grußlos gegangen und schließlich Sonja und Katrin zusammen getanzt haben.

Für mich war somit das Ganze sehr unglücklich verlaufen. Bis kurz vor Schluss, Da habe ich nämlich Susanne (der Name stimmt wirklich!), die Tochter des Wirtes kennengelernt, die am Tresen ausgeholfen hat. Sie hat für mich den Abend und noch viele weitere Wochen gerettet. Und hätte das Lokal meines Abtanzballes jetzt Jurassic Park geheißen, wäre das eine richtig runde Geschichte. 

Doch leider ist das aber ja das richtige Leben nie rund, sondern nur eine Abfolge kruder Erinnerungen, die meistens erst dann einen Sinn ergeben, wenn man sie vergessen hat.

Doch wer kennt das nicht.

Bis demnächst in der Jurassic Park Bar

Horst

2 Antworten auf „#34 Abtanzball“

  1. Dieses Video, von dem ihr beiden da schreibt, ist bei mir auch schon über den WhatsApp-Tisch gelaufen. Ich fand den Witz gar nicht so schlecht, hätte aber natürlich nie so schön darüber schreiben können wie ihr.
    Interessanterweise war meine erste Assoziation dabei eine Geschichte von Walter Moers, falls den noch jemand kennt (allerdings nicht unwahrscheinlich, wenn man schon mit Lemmy und die Schmöker Kindheitserinnerungen mit mir teilt). Und zwar die Geschichte „Leos Freunde“ aus „Herzlichen Glückwunsch“. Und wo ich nun rumgoogele, um eine Referenz auf die Geschichte zu finden, stelle ich überrascht fest, dass sie wohl jemand verfilt hat, denn ich finde sie in der Filmdatenbank imdb (https://www.imdb.com/title/tt0487214/).
    Naja, jedenfalls geht es in der Geschichte um den gar nicht mal so normalen Leo, der seinen Möbeln beigebracht hat, mit ihm zu sprechen, was ziemlich unschön für ihn ausgeht. Hätte er mal die Psychologische Notfallhilfe angerufen. Aber irgendwie hat man halt nicht immer den rettenden Gedanken parat.
    Vielen Dank euch beiden für diese nette Erkenntnis! 😉
    Und weiter so!

  2. Das mit der Schultafel halte ich für absolut glaubwürdig. Ich muss mich nun „outen“ und gestehen, dass sie auch nach meiner aktiven Zeit als Schüler, nachdem ich die Seiten gewechselt habe, öfter noch zu mir spricht.
    Aber seit die modern und digital geworden sind, laufen ja auch Bilder auf ihnen herum. Nur Jurrasic Park ist glaube ich verboten. Das muss wohl an den Dinosauriern liegen. Ich habe beschlossen, deshalb aber nicht die Psychologische Notfallhilfe anzurufen und eher wieder etwas mehr zu lesen, wie diesen wunderbaren Blog hier.
    Grüße aus Stockholm
    Lars

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