#4 Und dann geht es wieder

Liebe Susanne,

gerade habe ich das Paar von neulich aus der Drogerie wieder gesehen. Diesmal standen sie vor den leeren Konservenregalen im Supermarkt. Unterm Arm hatte er einen großen Beutel mit Kindergeburtstagspapierservietten. Es gab nur noch einige Dosen mit hellgrauen Königsberger Klopsen auf dem Dosenfoto. Erneut sind die beiden sehr nachdenklich.

Er: „Das sieht jetzt aber wirklich super eklig aus.“

Sie: „Ja gut, aber wenn Du richtig Hunger hast…“

Er: „Genau, dann gucke ich einfach dieses Bild an und dann geht es wieder.“

Sie nehmen eine Dose.

In den Regalen der Märkte erkennt man jetzt tatsächlich mal die echten Loser-Lebensmittel. Die, die selbst zu Corona-Zeiten keiner will. Auch interessant.

In China verpflichten sie angeblich jetzt Bürger eine Corona-Kontroll-App zu installieren, die man sich im Prinzip wohl wie eine virtuelle elektronische Fussfessel vorstellen muss. Mit der können dann Ausgangs- oder Regionalsperren überwacht werden. Als Maria davon hörte, regte sie an sich einen Hund anzuschaffen. Dann dürften wir auch im Falle einer Ausgangssperre noch zweimal täglich raus. Ich gab zu bedenken, daß wir dann aber auch einen Esser mehr hätten und das einzige, was wir richtig im großen Stil bevorratet haben, sind ja passierte Tomaten. Ob das einem Hund gefällt? Sie meinte, wenn wir einen Hund hätten, müssten wir natürlich ganz anders vorsorgen. Das gab mir zu denken. Wenn ich ein Hund wäre, dürfte ich also trotz Ausgangssperre raus und mir viel größere Vorräte anlegen? Welche Vorteile könnte es noch haben, ein Hund zu sein? Wie schwierig wäre es wohl, behördlicherseits als Hund anerkannt zu werden?

Am zwei Meter entfernten Nebentisch im Café beklagte sich gestern ein Mann wegen des Home-Office, zu dem er jetzt verdonnert wurde: „Die ganze Familie beobachtet jetzt, was ich den ganzen Tag mache. Und ich kann spüren, wie sie denken: Und das ist alles? Mehr macht der nicht? Und darüber klagt der ständig, was das für ein Stress sei? Das ist ja lächerlich. Ich überlege ständig, was ich noch arbeiten könnte, um die Familie zu beeindrucken. Diese soziale Kontrolle ist die Hölle…“

Betrachten deshalb große Unternehmen in Asien immer alle Angestellten als Familienangehörige? Da sie wissen, nichts transportiert und lenkt den Druck besser als eine Familie? Ich glaube, wenn mal die ganze Corona-Geschichte vorbei ist, werden viele mit einem ganz anderen Glücksgefühl, einer ganz anderen Dankbarkeit wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. Guck Susanne, jetzt habe ich wieder einen schönen, sehr positiven Schluss gefunden.

Horst

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