#5 Sehnsucht nach der Lösebühne

Lieber Horst,

Das stimmt, wir lernen so vieles wieder ganz neu zu schätzen, schon nach den paar Tagen Drinnensein freue ich mich wie Bolle auf unlimitierten Auslauf. Und die Freundin meines Sohnes hat mir tatsächlich schon ihren Hund zum Ausführen angeboten, wenn mir mal die Decke auf den Kopf fällt.

Heute gab es diesen Moment, in dem alle kurz Angst bekamen: Das Internet fiel aus. Bestimmt eine Viertelstunde lang.
Teenager liefen wie heimatlose Zombies durch die Wohnung, „Scrabble?“ fragte ich also fröhlich, sie sahen mich an als hätte ich ihnen Gemüse angeboten. Oder einen Exorzismus. Es war eine sehr lange Viertelstunde. 

Dabei hätte ich so gerne mal wieder Scrabble gespielt.
Ich glaube nämlich, ich habe da gerade einen Lauf, wenn es um kreative Wortschöpfungen geht. Oder vielmehr: mein Unterbewusstsein hat da einen Lauf, meistens sind es Tippfehler, aus denen diese Worte hervorgehen. Es reicht ja oft, einen Buchstaben zu vertauschen oder zu vergessen, zack, schon entstehen ganz neue Worte, über die man gerne mal eine Weile nachdenken kann. 
Der Weltuntergag zum Beispiel.
Oder die frustgerechte Kündigung. 
Auch die Hüpfprothese hat in meinem Kopf interessante Bilder entstehen lassen. 

Ach ja, und dann war da noch die Lösebühne. Auch ein schönes Wort, oder? 
Die Bühnen sind jetzt gerade mal zwei Wochen dicht und mir fehlen die Auftritte und die Kolleg*innen jetzt schon. Im Getränkemarkt habe ich mir vorhin eine Kiste mit verschiedenen Biersorten zusammengestellt, also das Weizen, das es im Schlot immer gibt für den Sonntag, das Helle aus dem Schokoladen für den Dienstag usw., Lesebühnengedenkbiere quasi. Aber letzten Endes ist Alkohol ja auch keine Lesung.

Prost, 
Susanne

PS: Weißt Du übrigens, dass meine Autokorrektur aus Deinem Namen immer Horst Everest macht? 

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